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Warum überhaupt schreiben?

Schreiben? Warum ist das eigentlich so etwas Besonderes? Machen wir doch alle tagtäglich, oder? Ja und Nein. Wir alle schreiben täglich E-Mails, tippen SMSen oder posten eine Nachricht auf Facebook. Diese Art von Schreiben unterscheidet sich jedoch grundlegend vom kreativ-biographischen Schreiben, wie ich es anbiete in meinen Workshops: Zum Einen schreiben wir hier mit der Hand und einem Stift und verbinden so unsere Motorik mit dem Gehirn. Zum anderen beschäftigen wir uns mit „unseren“ Themen, Dingen, Erlebnissen, die uns berühren und die wir, mittels der Kraft unserer Worte, bearbeiten, neu erleben oder klären können. Das ist heilsam für unsere Seele, berührt uns tief und macht zudem auch noch Spaß!

Die heilsame Wirkung von Schreiben wird zunehmend wissenschaftlich untersucht und auch in therapeutischer Arbeit genutzt.

  • Schreiben ist ein Vorgang mit allen Sinnen und spricht Körper, Geist und Seele an.
  • Schreiben hilft der Bewusstwerdung von Themen, die uns beschäftigen, und damit der Veränderung.
  • Schreiben ist mutig, denn jeder Text ist eine Botschaft an sich selbst oder an andere.
  • Schreiben ist Probehandeln, denn wir können uns im Schreiben ausprobieren und so tun, als ob.
  • Schreiben hat einen positiven Einfluss auf unser Gehirn.

Was ist „Schreiben als Kunst“?
„Schreiben als Kunst“ verbindet kreatives Schreiben mit künstlerischem Gestalten: Text trifft auf Farben, Formen und Material. Es werden Objekte gestaltet, die den Texten eine visuelle Heimat geben. Dazu gehören kleine Bücher, Karten, Lesezeichen oder Triptychons. Wir nutzen Farben, Collagematerial, Schere und Klebstoff.

Worin unterscheidet sich der Ansatz zu anderen Schreibkursen?
Die Teilnehmerzahl ist klein, so dass ein intensiver persönlicher Austausch möglich ist als Teil des Konzeptes. Ziel von „Schreiben als Kunst“ ist eine persönliche Selbsterfahrung, das Entdecken der eigenen Schaffenskraft, Zugang zu sich und seinen Gefühlen zu bekommen – denn wir arbeiten stets mit einem lebens-biographischen Ansatz.

Brauche ich Vorerfahrungen im Schreiben?
Nein, es geht nicht darum, Romane oder Kurzgeschichten zu schreiben, sondern frei von der Seele weg – ganz ohne Bewertungen und literarische Regeln.

Ich schreibe eigentlich gerne, weiß aber nicht was …
Keine Angst, genau dann sind Sie richtig. Durch aufeinander aufbauende Übungen kommen Sie ins Schreiben und Sie werden selbst überrascht sein von Ihrer eigenen Kreativität.

Was muss ich mitbringen?
Offenheit und die Lust, sich selbst auf dem Papier zu begegnen – im Schreiben und im Gestalten. Und ganz praktisch: eigene Schreibsachen wie Kugelschreiber, Füller und einen Block oder Heft.

Für wen ist das Angebot?
Für jeden, der gerne schreibt und kreativ ist. Für Menschen, die sich gerne mit ihren Lebensthemen auseinandersetzen, biographisch arbeiten, Spaß an neuen Kreativ-Techniken haben – und Schreiben mit allen Sinnen erfahren möchten.

Wie ist der zeitliche Rahmen?
Grundsätzlich ermöglicht ein Tagesworkshop oder mehrtägiger Workshop ein intensiveres Arbeiten. Ein fortlaufender Kurs am Abend in kürzeren Einheiten gibt dagegen die Chance auf einen längeren Prozess. Möglich sind auch Einzelsitzungen im Sinne einer persönlichen Beratung.

Wie viele Teilnehmer sind in einem Workshop?
Teil der Erfahrung ist der intensive Austausch in der Gruppe. Wir lesen uns unsere Texte gegenseitig vor und nehmen Anteil an anderen – ganz ohne Bewertung. Um eine geschützte, persönliche Atmosphäre zu schaffen und für jeden Teilnehmer die besondere Qualität dieser Erfahrung zu erzielen, liegt die Mindestteilnehmerzahl bei 3, die maximale Teilnehmerzahl bei 6.

Was kostet der Schreibworkshop?
Tagesworkshop Erwachsene ca. 9-10 h: 149,- €
Tagesworkshop Kinder 6 h: 70,- €
Fortlaufender Kurs: 4 x 2,5 h: pro Abend 35,-€ (bei Buchung von 4 Terminen 120 €)
Alle Preise inklusive Materialien und Mehrwertsteuer.

Zeig mir Dein Gesicht! Steinbildhauen im Schlossgarten von Faber-Castell

Da steht er vor mir: ein dunkler Quader aus Sandstein. Ein Koloss. Schwer, eckig und ganz schön groß. Eine Woche habe ich Zeit, ihm etwas zu entlocken! Was steckst in Dir? Was vermag ich überhaupt, aus Dir herauszuholen? Ich bin beim Steinbildhauen im Schlossgarten von Faber-Castell in Nürnberg als Teil meiner Counselor-Ausbildung. Mit mir stehen noch weitere elf Menschen um ihre Steine herum. Jeder hat sich etwas vorgenommen, aber keiner weiß, was dabei heraus kommen wird. Ein Experiment beginnt.

Mein Stein steht auf einem Sandsack. Sicher und weich. Und der Sandsack liegt auf einem Holzpodest. Ich bin also auf Augenhöhe mit dem Stein. Gut so. In meinen Händen halte ich Hammer und Meisel. Das Spitzeisen färbt meine linke Handinnenfläche nach kurzer Zeit braunrot. Ich schwitze und es rostet auf meiner Haut. Die Finger verkrampfen sich, fühlen sich dick an. Der Ring passt nicht mehr. Also raus damit. Das metallene Klopfen der Hammer auf die Eisen um mich herum – ein Chor aus hellen Trommelschlägen. Pling. Pling. Mein Rücken schmerzt und immer wieder schiebt sich mein rechter Zeigefinger am Hammer vorbei zwischen Schlag und Stein. Aua! Ich steige auf Handschuhe um.

Dort ist eine waagerechte Kerbe im Stein. „Sieht aus wie ein Mund!“, denke ich. Ein Anfang ist also gemacht. „Also los!“ Aber dann wird diese natürliche Kerbe nicht zum Mund, sondern plötzlich zu einer Nase. Einer knubbeligen, runden, stolzen und sehr imposanten Nase. Ich lasse alles zu. Meisel und Hammer arbeiten im gemeinsamen Takt, mein Kopf ist leer, meine Arme werden dagegen langsam schwer. Die Nase formt den ersten Eindruck eines Gesichtes. Da zeigt sich etwas! Ganz deutlich. Also weiter…

Am nächsten Tag regnet es in Strömen auf das Sonnensegel über mir. Die Luft ist klamm. Ich aber hämmere wie bessesen und gönne mir kaum eine Pause. Die Nase bekommt nun Nasenflügel und Nasenlöcher und Nasenwände. Und ein Nasenhuppel ist ja eh schon da. Dann erkenne ich in einem Schatten an der linken Seite ein Ohr. Ganz deutlich könnte dort ein Ohr sitzen. Der Meisel findet die Form. Noch sieht es zwar aus, als klebe dort eine Brezel, aber das kann ja noch werden. Pling. Pling. Ich wechsle die Seite und entdecke ein Auge. Vielmehr wieder nur den Schatten eines Auges. Eine Einfärbung, die mir zublinzelt. Wer bist Du?

Am dritten Tag komme ich richtig in Fahrt. Nase, Wangen, Augenpartie und sogar ein paar Lippen werden immer deutlicher. Aber dann der Schreck: Es  fehlt eine Fläche für das zweite Ohr! Die ganze rechte Gesichtshälfte wird deshalb nur halb so breit wie die linke und das Ohr auf dieser Seite eine kleinere Brezel. Künstlerische Freiheit, die ich mir gönne. Und nun die Stirn! Die Brocken fliegen und ich hämmere mit Bewegungen aus dem Schultergelenk in stetem Rhythmus und Wechsel der Richtungen. Der Stein rundet sich auf wundersame Weise, die Stirn wölbt sich tatsächlich majestätisch denkerhaft aus dem Stein hervor. Schlag für Schlag. Pling. Pling.

Am vierten Tag schleiche ich müde zum Stein. Meine Arme sind bleiern, ich fühle mich wie selbst behauen und frage mich, was ich hier mache. Aber dann nehme ich meine Werkzeuge zur Hand, um den ersten Schlag auszuführen. Das erste Pling. Und schon spüre ich die Müdigkeit nicht mehr und versinke wieder in der Bewegung und in der Leere meiner Gedanken. Der Stein zeigt mir jetzt seine beiden, sehr unterschiedlichen Gesichter, und plötzlich entdecke ich in ihm etwas von mir. Sehr viel sogar! Diese Entdeckung löst überraschend Euphorie aus: Ich bin ganz aufgeregt und fühle mich diesem Stein plötzlich verbunden. Kann gar nicht aufhören mit dem Hämmern. Klopfe am rechten Auge herum, ganz vorsichtig, ganz klein, um es halb zu schließen. Am Abend stehe ich vor ihm und schaue ihn an: sehe eine ruhige und versunkene Seite. Und eine kämpferische, eckigere Seite voller Kanten. Eine Buddha-Seite und eine Piratenseite. Na sowas!

Am letzten Tag probiere ich noch aus, ob er ohne sein Sandkissen überhaupt steht. Tut er aber nicht! Er schaukelt hin und her. 30 Kilogramm, die bedenklich in Schwingung kommen. Ich spüre leichte Panik aufsteigen: Ich dachte, ich wäre fertig mit ihm, könnte Hammer und Meisel aus den Händen legen und die selbigen lässig in die Hosentasche stecken und ein wenig auf und ab wandern, nur so! Also doch nochmal ran. Pling. Pling. Die Unterseite flach klopfen. Bis er steht! Bis er alleine steht!

Und dann endlich blinzelt er mich an. Und ich lächle zurück. Meine erste Steinskulptur: die dicken Lippen, die mächtige Nase, die Augenklappe, die geschwungene Stirn und der meditative Ausdruck.

Ein Stein. Zwei Gesichter. Mein Ganzes.

Jetzt kann er sich sehen lassen...

Hier gibt es weitere Bilder zum Arbeitsprozess

Mein Blog wortwerk.hamburg ist am Start!

Mit Informationen zu meinem Herzensprojekt „Schreiben als Kunst“, mit Geschichten und Gedichten, Bildern und Links.

Ich fühle einen leisen freudigen Stolz über meine kleine Seite – eine winzige Insel in den unendlichen Weiten des World Wide Web – und hoffe auf gestrandete Besucher, die sich hier ein wenig erfrischen können.

Namasté

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Schreiben als Kunst – Formen & Gestaltung

Ihr könnt Euch nicht richtig vorstellen, was „Gestaltung“ bedeutet? Hier findet Ihr Beispiele von Arbeiten, die bei „Schreiben als Kunst“ enstanden sind. Auf diesen Fotos zeige ich jedoch keine handschriftlichen Textauschnitte, da diese sehr persönlich sind.