Artikel
0 Kommentare

Lebenslinien – überschreiben, neu schreiben, wieder entdecken

Kreativ-biografisches Schreibseminar vom 23. bis 28. September im Bio- und Gesundheitshotel Gutshaus Stellshagen (Damshagen/Ostsee)

Das Bio- und Gesundheitshotel Gutshaus Stellshagen ist ein energievoller Ort: üppiges Grün, erhabene Bauten, mächtige Bäume, leuchtende Blumen, plätschernde Seen, rauschender Wind. Ein Ort der Stille und der Einkehr. Ein Ort, an dem Schreiben zur „Begegnung mit sich selbst“ werden kann.

„Lebenslinien“ lautete der Titel des fünftägigen Seminars – und genau diesen Linien sind wir gefolgt. In der Spur der Erinnerung, die sich frei legt beim Anblick von Kindheitsfotos und dem Schreiben in der Ich- und Gegenwartsform, dem Schreiben mit allen Sinnen. So erweitern wir unsere Wahrnehmung bis in die Vergangenheit: Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tasten. Und plötzlich öffnet sich das Zeitfenster und wir schlüpfen hindurch, finden uns in im Foto wieder, blicken umher, hören Worte, fühlen Stoff, begegnen Personen, erweitern den Radius dieser alten Aufnahme. Wir erfühlen die Spur, die diese Erinnerung in unserem Leben, auf unserer inneren Festplatte hinterlassen hat, auch wenn die Schichten des Alltags sie meist verdecken. Sie sind dennoch da.

Und wir begegnen dem Strom der Zeit in den Fotografien der Brown Sisters von Nicols Nixon. 40 Jahre lang fotografierte er seine Frau und ihre drei Schwestern in immer gleicher Aufstellung. Ein Manifest des Lebens, berührende Dokumentation des Fortganges von Leben, Eindrücke, die nahe kommen und nachklingen. Ausgehend von diesem künstlerischen Impuls blicken wir auf unseren eigenen Lebensstrom und spüren seinen Atem.

Wir schreiben neu. Wir überschreiben. Als gestalterischer Ansatz dient uns dabei das Palimpsest. Palimpsestieren meint den Vorgang des Wiederbeschreibens von Schreibmaterial, dem ein Wegkratzen oder Abwaschen von Schrift vorausgeht. Vor allem in der Antike und im Mittelalter, als Schreimaterial teuer war, nutzte man diese Technik. Aber auch heute sehen wir Palimpseste, wenn wir aufmerksam schauen: an Litfasssäulen, wenn sich Schichten von Papier überlagern, wieder freigeben, durchscheinen und so etwas neues Ganzes ensteht.

Wir arbeiten mit einem alten gebundenen Buch, das wir nicht mehr lesen möchten. Das uns ausgedient hat. Wir erlauben uns, dieses Buch zu be-arbeiten und zu ver-ändern, uns zu eigen zu machen. Dieser Prozess beginnt mit künstlerisch-handwerklichen Versuchen, die unsere Kreativität freisetzen und uns in einen schöpferisches Tun führen. Schreiben und Gestalten verbindet sich.

Wir suchen weiter nach unserer Spur. Sortieren Lebensereignisse auf einer Zeitachse, ordnen Fotografien, schreiben uns weiter in unser Leben. Das Buch wird nun zu unserem eigenen Lebensbuch: Textfragmente werden eingeklebt, Zeilen oder Worte überschrieben, durchgestrichen oder geschwärzt, Absätze geweißt, Seiten herausgenommen und neu zusammengeklebt. Wir schaffen Platz für unser eigenes Leben in diesem Buch und schreiben seine Kapitel neu. Vorhandenes aufgreifen und umdeuten. Eigenes einfügen und neu sortieren.

Am Ende haben wir viel erlebt. Auch miteinander.
Wir sind uns selbst nahe gekommen. Wir waren mutig. Wir waren authentisch. Wir haben uns zugehört.

Etwas ist passiert.

Im Hier und Jetzt.

Auf der Achterbahnfahrt des Lebens.

Ich danke allen Teilnehmerinnen für diese berührenden fünf Schreibtage, die mich sehr bereichert haben. Ich freue mich über die Kraft Eurer Texte, die Ästhetik der Objekte und den geschützen Kreativ-Raum, den wir gemeinsam geschaffen haben.

 

und das sagen Teilnehmer …

Ich freue mich über Eure Nachrichten und Kommentare.

Samuel Dickes hat einen 14-jährigen Sohn. Wie viele in seinem Alter, interessiert sich der Junge für Playstation 4, Youtube und Netflix und verbringt seine Freizeit am liebsten mit vier Händen an einer Tastatur. Aber dann passierte etwas, was beide gleichermaßen überraschte: Kurzfristig nahm der 14-Jährige am Schreibworkshop „Wortspiele Vol. 2 für Kinder und Jugendliche“ bei nestwärme e.V. Deutschland in Trier teil – und fand es nicht nur schöner als das Spielen, sondern dankte seinem Vater auch noch, dass er ihn dort hingeschickt hatte. Was will ich mehr?

 

Artikel
0 Kommentare

Warum überhaupt schreiben?

Schreiben? Warum ist das eigentlich so etwas Besonderes? Machen wir doch alle tagtäglich, oder? Ja und Nein. Wir alle schreiben täglich E-Mails, tippen SMSen oder posten eine Nachricht auf Facebook. Diese Art von Schreiben unterscheidet sich jedoch grundlegend vom kreativ-biographischen Schreiben, wie ich es anbiete in meinen Workshops: Zum Einen schreiben wir hier mit der Hand und einem Stift und verbinden so unsere Motorik mit dem Gehirn. Zum anderen beschäftigen wir uns mit „unseren“ Themen, Dingen, Erlebnissen, die uns berühren und die wir, mittels der Kraft unserer Worte, bearbeiten, neu erleben oder klären können. Das ist heilsam für unsere Seele, berührt uns tief und macht zudem auch noch Spaß!

Die heilsame Wirkung von Schreiben wird zunehmend wissenschaftlich untersucht und auch in therapeutischer Arbeit genutzt.

  • Schreiben ist ein Vorgang mit allen Sinnen und spricht Körper, Geist und Seele an.
  • Schreiben hilft der Bewusstwerdung von Themen, die uns beschäftigen, und damit der Veränderung.
  • Schreiben ist mutig, denn jeder Text ist eine Botschaft an sich selbst oder an andere.
  • Schreiben ist Probehandeln, denn wir können uns im Schreiben ausprobieren und so tun, als ob.
  • Schreiben hat einen positiven Einfluss auf unser Gehirn.

Was ist „Schreiben als Kunst“?
„Schreiben als Kunst“ verbindet kreatives Schreiben mit künstlerischem Gestalten: Text trifft auf Farben, Formen und Material. Es werden Objekte gestaltet, die den Texten eine visuelle Heimat geben. Dazu gehören kleine Bücher, Karten, Lesezeichen oder Triptychons. Wir nutzen Farben, Collagematerial, Schere und Klebstoff.

Worin unterscheidet sich der Ansatz zu anderen Schreibkursen?
Die Teilnehmerzahl ist klein, so dass ein intensiver persönlicher Austausch möglich ist als Teil des Konzeptes. Ziel von „Schreiben als Kunst“ ist eine persönliche Selbsterfahrung, das Entdecken der eigenen Schaffenskraft, Zugang zu sich und seinen Gefühlen zu bekommen – denn wir arbeiten stets mit einem lebens-biographischen Ansatz.

Brauche ich Vorerfahrungen im Schreiben?
Nein, es geht nicht darum, Romane oder Kurzgeschichten zu schreiben, sondern frei von der Seele weg – ganz ohne Bewertungen und literarische Regeln.

Ich schreibe eigentlich gerne, weiß aber nicht was …
Keine Angst, genau dann sind Sie richtig. Durch aufeinander aufbauende Übungen kommen Sie ins Schreiben und Sie werden selbst überrascht sein von Ihrer eigenen Kreativität.

Was muss ich mitbringen?
Offenheit und die Lust, sich selbst auf dem Papier zu begegnen – im Schreiben und im Gestalten. Und ganz praktisch: eigene Schreibsachen wie Kugelschreiber, Füller und einen Block oder Heft.

Für wen ist das Angebot?
Für jeden, der gerne schreibt und kreativ ist. Für Menschen, die sich gerne mit ihren Lebensthemen auseinandersetzen, biographisch arbeiten, Spaß an neuen Kreativ-Techniken haben – und Schreiben mit allen Sinnen erfahren möchten.

Wie ist der zeitliche Rahmen?
Grundsätzlich ermöglicht ein Tagesworkshop oder mehrtägiger Workshop ein intensiveres Arbeiten. Ein fortlaufender Kurs am Abend in kürzeren Einheiten gibt dagegen die Chance auf einen längeren Prozess. Möglich sind auch Einzelsitzungen im Sinne einer persönlichen Beratung.

Wie viele Teilnehmer sind in einem Workshop?
Teil der Erfahrung ist der intensive Austausch in der Gruppe. Wir lesen uns unsere Texte gegenseitig vor und nehmen Anteil an anderen – ganz ohne Bewertung. Um eine geschützte, persönliche Atmosphäre zu schaffen und für jeden Teilnehmer die besondere Qualität dieser Erfahrung zu erzielen, liegt die Mindestteilnehmerzahl bei 3, die maximale Teilnehmerzahl bei 6.

Was kostet der Schreibworkshop?
Tagesworkshop Erwachsene ca. 9-10 h: 149,- €
Tagesworkshop Kinder 6 h: 70,- €
Fortlaufender Kurs: 4 x 2,5 h: pro Abend 35,-€ (bei Buchung von 4 Terminen 120 €)
Alle Preise inklusive Materialien und Mehrwertsteuer.