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Über Begegnungen durch Schreiben

„Schreiben ist Begegnung mit sich selbst“, formulierte die Lyrikerin und Schriftstellerin Hilde Domin.

Wie recht sie hat.

Denn dieser Satz ist, wie viele ihrer Sätze, keine abgenutzte Floskel, keine aufgedunsene Hülle, kein übermotiviertes Heilsversprechen heutiger Lebenshilfe-Meister. Er klingt vielleicht auf den ersten Moment so, als wolle er zu viel, dieser Satz. Aber das tut er nicht. Er will gar nichts. Er stellt nur fest.

Hilde Domin war Jüdin, Deutsche, Flüchtling, Heimkehrerin, Verlassene. Sie war Schriftstellerin, aber in erster Linie war sie Lyrikerin – und im Schreiben fand sie ihre Stütze im Leben.

Ich habe meine Montagabend-Schreibkurse nach ihrem Satz bennannt: „Im Schreiben sich selbst begegnen“. Denn ich wollte Menschen anziehen, die sich davon angesprochen fühlen. Ich bin nicht sicher, ob sie wirklich deswegen gekommen sind. Aber ich bin sicher, sie haben ihn erlebt!

Sie sind sich begegnet in einem ‚Moment zum Rahmen‘; in der Arbeit mit Gedichten, die zu eigenen Wortgeschöpfen umgestaltet wurden; im biografischen Schreiben über Lebensstationen. Sie sind sich begegnet in der Erinnerung an Erlebnisse, Menschen, Momente. Erinnerungen, die in ihnen Freude, Glück, Liebe und Dankbarkeit hervorruft. Sie sind sich begegnet in der Selbst-Ver-Sicherung dieser Erinnerungen als Teil ihres heutigen Seins. Durch das Schreiben darüber.

Und ich? Ich bin diesen Menschen ebenfalls begegnet. Bin berührt von ihrer Offenheit, ihrem Sich-Einlassen und ihrem Vertrauen in sich – und ich mich und den geschützten Raum unserer Werkstattatmosphäre. Ich genieße die Stille im Raum, wenn die Teilnehmer versunken in ihr Schreiben sind, malen, collagieren, passendes Material suchen und ganz bei sich und ihrem Werk sind. Und dann beim Vorlesen der Texte, wenn ich spüre, jemand berührt sein eigenes Herz, dockt an seinen Hafen an und geht an Land, gestärkt und freudig über das, was ihn da erwartet – dieser magische Moment ist es, der mich beglückt, zu tiefst berührt und mit großer Dankbarkeit erfüllt.

Denn auch ich begegne mir selbst: Als Werkstattleiterin. Als Moderatorin. Als Wegbegleiterin. Und mit jeder Begegnung wachse ich und weiß, ich bin auf dem richtigen Weg.

 

Samuel Dickes hat einen 14-jährigen Sohn. Wie viele in seinem Alter, interessiert sich der Junge für Playstation 4, Youtube und Netflix und verbringt seine Freizeit am liebsten mit vier Händen an einer Tastatur. Aber dann passierte etwas, was beide gleichermaßen überraschte: Kurzfristig nahm der 14-Jährige am Schreibworkshop „Wortspiele Vol. 2 für Kinder und Jugendliche“ bei nestwärme e.V. Deutschland in Trier teil – und fand es nicht nur schöner als das Spielen, sondern dankte seinem Vater auch noch, dass er ihn dort hingeschickt hatte. Was will ich mehr?

 

nestwärme e.V. Deutschland ist ein bundesweit aktives Sozialunternehmen mit Sitz in Trier, das mit diversen Projekten Familien mit chronisch kranken und behinderten Kindern unterstützt. Talent-, Zeit- oder KompetenzSchenker sind die ehrenamtlichen Pfeiler von nestwärme e.V.

Im Hamburger Kinderbuchhaus im Altonaer Museum sind Originalillustrationen aus dem Bereich der Kinder- und Jugendliteratur zu sehen – und es gibt ein vielfältiges Workshop-Angebot rund um die Austellungen (nicht nur für Schullkassen).
Ab 4. September 2016: „Kleine Mäuse. Große Schritte. Torben Kuhlmanns Bilderwelten“ – mit kreativer Schreibwerkstatt des Monats. Interessierte Schulklassen melden sich gerne über das Kinderbuchhaus an.

Stiftung Auswege e.V. Deutschland bietet chronisch kranken Kindern und Erwachsene in neuntägigen Sommercamps therapeutische Auswege und Hilfe.

Im Neuen Kupferhof des Vereins Hände für Kinder e.V. in Hamburg finden Familien mit chronisch kranken und behinderten Kindern einen Ort der Ruhe und Erholung.