Artikel
0 Kommentare

Einladung an das Leben

Ich möchte das Leben einladen,

… mir Ereignisse zu schicken, die sich wie passende Puzzlestücke in meinen Weg einfügen und ihn befestigen zu einer breiten Straße.

… dass ich Menschen anziehe, die meine Ziele unterstützen, und solche, denen ich biete, was sie suchen.

… meine Entscheidungen zu gärtnern, wie ein frisch gepflanztes Bäumchen in weicher Erde, damit es heranwächst zu einem großen, starken Baum, der Schatten spendet, und in dessen üppigem Blätterdach der Wind seine Lieblingsmelodie erklingen lässt.

… mir einen bunten Konfettiregen aus Erfolg zu schenken, der meinen Mut feiert.

… eine Kerze anzuzünden und mir einen Schal um den Hals zu legen, wenn es einmal dunkler um mich ist.

… mir genau die eine, nächste, offene Tür zu zeigen, durch die ich nur hindurch gehen muss.

… mir eine Rast zu gönnen, wenn ich außer Atem bin.

… mir einen Dompteur in die Manege meiner Gefühle zu schicken, der mich lehrt mit den wilden Tieren zu spielen.

… öfter bei mir vorbeizuschauen und es sich auf meinem Sofa bequem zu machen.

Liebes Leben, nimmst Du die Einladung an? Ich backe gerade einen Kuchen für Dich.

Artikel
0 Kommentare

Über Begegnungen durch Schreiben

„Schreiben ist Begegnung mit sich selbst“, formulierte die Lyrikerin und Schriftstellerin Hilde Domin.

Wie recht sie hat.

Denn dieser Satz ist, wie viele ihrer Sätze, keine abgenutzte Floskel, keine aufgedunsene Hülle, kein übermotiviertes Heilsversprechen heutiger Lebenshilfe-Meister. Er klingt vielleicht auf den ersten Moment so, als wolle er zu viel, dieser Satz. Aber das tut er nicht. Er will gar nichts. Er stellt nur fest.

Hilde Domin war Jüdin, Deutsche, Flüchtling, Heimkehrerin, Verlassene. Sie war Schriftstellerin, aber in erster Linie war sie Lyrikerin – und im Schreiben fand sie ihre Stütze im Leben.

Ich habe meine Montagabend-Schreibkurse nach ihrem Satz bennannt: „Im Schreiben sich selbst begegnen“. Denn ich wollte Menschen anziehen, die sich davon angesprochen fühlen. Ich bin nicht sicher, ob sie wirklich deswegen gekommen sind. Aber ich bin sicher, sie haben ihn erlebt!

Sie sind sich begegnet in einem ‚Moment zum Rahmen‘; in der Arbeit mit Gedichten, die zu eigenen Wortgeschöpfen umgestaltet wurden; im biografischen Schreiben über Lebensstationen. Sie sind sich begegnet in der Erinnerung an Erlebnisse, Menschen, Momente. Erinnerungen, die in ihnen Freude, Glück, Liebe und Dankbarkeit hervorruft. Sie sind sich begegnet in der Selbst-Ver-Sicherung dieser Erinnerungen als Teil ihres heutigen Seins. Durch das Schreiben darüber.

Und ich? Ich bin diesen Menschen ebenfalls begegnet. Bin berührt von ihrer Offenheit, ihrem Sich-Einlassen und ihrem Vertrauen in sich – und ich mich und den geschützten Raum unserer Werkstattatmosphäre. Ich genieße die Stille im Raum, wenn die Teilnehmer versunken in ihr Schreiben sind, malen, collagieren, passendes Material suchen und ganz bei sich und ihrem Werk sind. Und dann beim Vorlesen der Texte, wenn ich spüre, jemand berührt sein eigenes Herz, dockt an seinen Hafen an und geht an Land, gestärkt und freudig über das, was ihn da erwartet – dieser magische Moment ist es, der mich beglückt, zu tiefst berührt und mit großer Dankbarkeit erfüllt.

Denn auch ich begegne mir selbst: Als Werkstattleiterin. Als Moderatorin. Als Wegbegleiterin. Und mit jeder Begegnung wachse ich und weiß, ich bin auf dem richtigen Weg.

 

Samuel Dickes hat einen 14-jährigen Sohn. Wie viele in seinem Alter, interessiert sich der Junge für Playstation 4, Youtube und Netflix und verbringt seine Freizeit am liebsten mit vier Händen an einer Tastatur. Aber dann passierte etwas, was beide gleichermaßen überraschte: Kurzfristig nahm der 14-Jährige am Schreibworkshop „Wortspiele Vol. 2 für Kinder und Jugendliche“ bei nestwärme e.V. Deutschland in Trier teil – und fand es nicht nur schöner als das Spielen, sondern dankte seinem Vater auch noch, dass er ihn dort hingeschickt hatte. Was will ich mehr?